HEC Blog: Technik & Methoden
Verfasst von Annekathrin Gut am 18. März 2021
Digitale Logistik 2021

Auf diese sechs Trends sollten Spediteure, Lagereien und Co. achten

Jedes Logis­tik­un­ter­neh­men, das nicht von flin­ken Newco­mern über­holt werden will, sollte sich dieses Jahr noch inten­si­ver mit der Digi­ta­li­sie­rung seiner Geschäfts­pro­zesse ausein­an­der­set­zen. Was wird 2021 sonst noch wich­tig für die Logis­tik? Wir haben die aus unse­rer Sicht sechs wich­tigs­ten Trends des Jahres zusam­men­ge­stellt: Neben der genann­ten Digi­ta­li­sie­rung sind das die Fach­kräf­te­si­che­rung, Künst­li­che Intel­li­genz, Trans­pa­renz in der Supply Chain, Platt­for­men und digi­tale Ökosys­teme sowie Nach­hal­tig­keit.

#1: Digitalisierung der Geschäftsprozesse

Kaum eine Bran­che lebt so sehr von reibungs­­lo­­sen Abläu­­fen wie die Logis­tik – die letz­ten Monate haben das noch einmal deut­lich gemacht. Viele Unter­neh­men aus der Bran­che haben erkannt, dass in der Opti­mie­rung und Digi­ta­li­sie­rung ihrer Geschäfts­pro­zesse die größ­ten Poten­zi­ale liegen, um Kosten zu redu­zie­ren und Umsätze zu stei­gern. Zugleich sind digi­ta­li­sierte Prozesse die Voraus­set­zung für viele neue Services. Stich­wort: Apps und Cloud-Lösun­gen.

In der Regel gibt es nicht nur die eine Lösung, sondern eine ganze digi­tale Supply Chain. Beispiels­weise kann ein IT-gestütz­tes Trans­­port-Mana­ge­­ment-System (TMS) zentral alle Dispo­­si­ti­­ons­ak­ti­vi­tä­ten zwischen Unter­­neh­­men, Kunden und Part­­nern erfas­sen. Oder Cloud-Lösun­gen ermög­li­chen es, dass Kunden jeder­zeit den aktu­el­len Status ihres Trans­­por­tes aufru­­fen können. Alle Daten werden unmit­tel­bar über­­tra­­gen.

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#2: Fachkräftesicherung

Nicht nur in der Logis­tik selbst, sondern auch für die Logis­tik­tä­tig­kei­ten in Indus­trie- und Handels­­un­ter­­neh­­men werden zuneh­mend Fach­kräfte gesucht. Der demo­gra­phi­sche Wandel führt dazu, dass es immer weni­­ger Menschen gibt, die in die Berufe nach­rü­­cken. Für die Hälfte aller Unter­neh­men ist das ein erheb­li­ches Geschäfts­ri­siko. Sie müssen also aktiv werden, um Fach­­kräfte für sich zu begeis­tern, diese zu binden und sie weiter­zu­bil­den.

Digi­tale Anwen­dun­gen können das unter­stüt­zen. Kolla­bo­ra­ti­ons­tools ermög­li­chen beispiels­weise Mita­r­bei­ten­den den Zugang zu rele­van­tem Wissen und helfen bei der Zusam­me­n­a­r­beit. Mit ande­ren IT-gestütz­ten Program­men lassen sich Routi­­­ne­tä­tig­kei­ten in Dispo­­­si­tion oder Buch­ha­l­tung redu­­­zie­ren oder ganz vermei­­­den. Smart Devices (Smar­t­­phone, Tablet, webba­­sierte Anwen­­dun­­gen etc.) ergän­zen moderne Arbeit­s­um­ge­bun­gen. Und heute noch futu­ris­tisch wirkende User-Inter­fa­­ces mit intel­­li­­gen­ten Assis­tenz­­funk­ti­o­­nen, wie zum Beispiel Augmen­ted-Reality-Bril­len, können die Produk­ti­vi­tät stei­gern.

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#3: Künstliche Intelligenz und Business Analytics

Künst­­li­che Intel­­li­­genz (KI) kann unstruk­tu­rierte Texte, Daten, Spra­che, Bilder und Videos analy­­sie­ren und vera­r­­bei­ten oder Infor­ma­ti­o­nen aus verschie­de­nen Quel­len kombi­nie­ren. KI reagiert auf dyna­mi­sche Umge­bun­gen, trifft voraus­schau­ende Progno­sen und unter­stützt damit das opera­tive Busi­ness. Als Busi­­ness Analy­tics kann sie konti­nu­ier­lich die Geschäfts­leis­tung unter­su­chen und Progno­­sen für die Geschäfts­­­pla­­nung erzeu­­gen.

In der Logis­tik lassen sich KI-Lösun­­gen in nahezu allen Berei­chen anwen­­den. So können zum Beispiel intel­li­gente Assis­tenz­sys­teme Dispo­nen­ten dabei unter­stüt­zen, das opti­male Fahr­zeug auszu­wäh­len oder die Lager­ka­pa­zi­tä­ten zu berech­nen. Intel­li­gente Soft­ware kann Absatz­da­ten analy­sie­ren und den künf­ti­gen Bedarf von Gütern und Dienst­leis­tun­gen prognos­ti­zie­ren. Mit Hilfe von Robo­tic Process Auto­­ma­tion können zeit­in­ten­­sive, wieder­­holte und fehler­an­­fäl­­lige Prozesse effi­­zi­en­ter erle­­digt werden.

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#4: Transparenz in der Supply Chain

Amazon macht es vor und viele Logis­ti­ker ziehen nach: Kund:innen können sich bei der soge­nann­ten Real-Time-Visi­­bi­­lity jeder­zeit einen aktu­el­len Über­­blick über den Status ihrer Aufträge verschaf­­fen. Die umfas­sende Verfüg­bar­keit von Daten macht es Sendern und Empfän­gern möglich, zu jedem Zeit­punkt Abwei­chun­gen in der Liefer­kette zu erken­nen. Über Senso­ren können zudem Infor­ma­ti­o­nen über Tempe­ra­tur, Druck oder Neigung des Trans­port­gu­tes digi­tal erfasst und über­mit­telt werden. Diese Infor­­ma­ti­o­­nen können mit weite­ren Daten über eine Künst­li­che Intel­li­genz kombi­niert und vera­r­bei­tet werden.

Voraus­­set­­zung ist, dass die Daten in der erfor­­der­­li­chen Quali­tät verfüg­­bar und die prozess- und unter­­neh­­mens­­über­­­grei­­fen­­den Schnit­t­s­tel­len harmo­­ni­­siert sind. Dann können Logis­ti­k­­dienst­leis­ter durch das Wissen über den aktu­el­len Zustand oder den aktu­el­len Stan­d­ort ihre Dispo­­si­ti­­ons- und Trans­­por­t­pro­­zesse verbes­sern oder bei Proble­men gegen­steu­ern. Die Zeit- und Kosten­vor­teile können sie an ihre Kunden weiter­ge­ben.

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#5: Plattformen und digitale Ökosysteme

In den letz­ten Jahren entstan­den immer mehr digi­tale Markt­plätze, zum Beispiel Handels- und Indus­trie­platt­for­men, Vergleichs- oder Bewer­tungs­­­por­­tale. Diese orts­un­ge­bun­de­nen Geschäfts­mo­delle eröff­nen regi­o­na­len Unter­neh­men globale Geschäfte. Die neuen Plat­t­­for­­men können aller­dings auch eine disrup­tive Wirkung entfal­ten und Mark­t­­teil­­neh­­mer verdrän­­gen, die noch keine digi­ta­len Geschäfts­mo­delle haben.

Die offe­nen, digi­ta­len Ökosys­teme schaf­fen mit ihrem gebün­del­ten Ange­bot einen trans­pa­ren­ten Markt­über­­blick, bessere Auswahl­mög­­lich­kei­ten und mehr Kunden­zu­gang. Einsatz­mög­lich­kei­ten in der Logis­tik sind zum Beispiel die Fracht­­ver­­­mit­t­­lung oder die Steu­e­rung und Abfer­ti­­gung der Supply Chain. Neue Chan­cen und mehr Effi­zi­enz eröff­nen sich Logis­ti­kern mit dem Ausbau des eige­nen Ange­bo­tes durch Koope­ra­tion mit Part­nern oder durch das Über­den­ken herkömm­li­cher Prozesse und Geschäfts­mo­delle.

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#6: Nachhaltigkeit

Unter­­neh­­men stel­len die ökolo­­gi­­schen und sozi­a­len Folgen ihres Handelns zuneh­­mend in den Mittel­­punkt. Es gilt, die Klima­schutz­ziele zu errei­chen. Ein wich­ti­ger Weg dahin ist, die Emis­si­o­nen zu redu­zie­ren. Mehr und mehr geht der bewusste Einsatz von Ressour­­cen auch mit ökono­­mi­­schem Nutzen einher.

In Klima­­schutz­­kon­­zep­ten spie­len nicht nur alter­na­tive Antriebe oder die Verla­­ge­rung von Waren­­strö­­men von der Straße auf die Schiene eine Rolle. Auch Digi­ta­­li­­sie­rungs­­stra­te­­gien unter­stüt­zen den spar­sa­­men Umgang mit den verfüg­­ba­ren Ressour­­cen. IT-gestützte Anwen­dun­gen sorgen zum Beispiel für effi­zi­ente Routen­pla­nung und opti­male Auslas­tung der Trans­port­ka­pa­zi­tä­ten. Immer bessere digi­­tale Tools helfen dabei, opti­­male Stre­­cken zu finden und Leer­fahr­ten zu vermei­­den.

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