Playmobilfiguren auf einer Landkarte

Methoden und Wissen

Grundlagenseminar zu künstlicher Intelligenz - KI ist kein Monster!

03. März 2022 / Annekathrin Gut

Seminar zu den Grundlagen der künstlichen Intelligenz

"KI ist kein Monster"

Katze oder Kara­mell-Eis? Ein Mensch kann auf Fotos das rotge­ti­gerte Tier leicht vom Lebens­mit­tel unter­schei­den. Eine künst­li­che Intel­li­genz (KI) braucht für diese Bild­er­ken­nung zuerst ein inten­si­ves Trai­ning. Wobei – genau­ge­n­om­men geht es weni­ger um KI und mehr um maschi­nel­les Lernen. Jeden­falls dreht es sich nicht um die Art von KI, an die die meis­ten Menschen zunächst denken: an selbst­stän­dig lernende neuro­nale Netze.

Wer jetzt eine Reihe von Frage­zei­chen im Kopf hat, dem geht es nicht anders als den Teil­neh­men­den des Semi­nars „Grund­la­gen der künst­li­chen Intel­li­genz“, das das IT-Bildungs­haus der HEC und das Bremer KI-Trans­fer-Zentrum im Februar orga­ni­sier­ten. Trai­ner:innen aus Wissen­schaft und Praxis halfen beim Einstieg in die komplexe Mate­rie: Chris­tin Poloc­zek (Das IT-Bildungs­haus), Dr. Vanessa Just (team neusta), Dr. Nicole Höher und Inis Ehrlich (Bremer KI-Trans­fer-Zentrum) sowie Dr. Denis Pijet­lo­vic (Univer­si­tät Bremen).

Ein Mann vor einer Wand
Denis Pijetlovic erklärt, welche Definitionen es für KI gibt.

KI-Periodensystem: Wieviel KI darf‘s denn sein?

Künst­li­che Intel­li­genz gilt als Trei­ber für zukunfts­wei­sende Geschäfts­mo­delle und als nächs­ter Schritt in der Digi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie. Die Entschei­dungs­ver­ant­wort­li­chen in Unter­neh­men müssen bestim­men, zu welchem Zweck sie in welche KI inves­tie­ren wollen. Aller­dings: Die Wenigs­ten sind Kenner dieser komple­xen Wissen­schaft. Erschwe­rend kommt hinzu: Eine eindeu­tige und opera­ti­o­na­li­sier­bare Defi­ni­tion von KI gibt es nicht.

Als prak­ti­sches Instru­ment und Entschei­dungs­hilfe stellt Dozent Denis Pijet­lo­vic das „Periodensystem der KI“ von Kristian Hammond vor. Wie beim Vorbild aus der Chemie sind 28 Elemente mit unterschiedlichen Teilfunktionen und bestimmter Komplexität von KI sowie ihre Kombinierbarkeit übersichtlich dargestellt: von Sprach-, Audio-, Gesichts- und Bilderkennung über Datenanalysen und Vorhersagen bis hin zu Problemlösung, Sprachgenerierung und autonomer Steuerung.

Eine Frau vor einer Leinwand
Christin Poloczek vermittelt die Grundlagen des maschinellen Lernens.

Daten, Daten, und nochmals Daten: Training für die Maschine

Damit ein System Akti­o­nen ausfüh­ren kann, muss es mit Infor­ma­ti­o­nen gefüt­tert werden, genau­ge­n­om­men mit Daten – sehr vielen Daten! Zum Beispiel mit unzäh­li­gen Fotos von rotge­ti­ger­ten Katzen und Eiscreme, die aus verschie­de­nen Blick­win­keln und zu unter­schied­lichs­ten Tages­zei­ten aufge­nom­men sind.

Die Infor­ma­ti­ke­rin Chris­tin Poloc­zek gibt hierzu einen Einblick in das maschi­nelle Lernen. Zu Beginn wird ein Trai­nings­ziel defi­niert: beispiels­weise Katzen und Eiscreme unter­schei­den. Die Daten – Bilder, Spra­che, Zahlen, Geräu­sche oder ähnli­ches – werden, sehr grob gesagt, an einen Algo­rith­mus über­ge­ben. „Und dann passiert magic“, sagt Chris­tin Poloc­zeck.

Wie in einer Black Box lernt ein Algo­rith­mus durch Erken­nen, Auspro­bie­ren, Anpas­sen und Opti­mie­ren das Trai­nings­ziel zu errei­chen. Je nach Aufgabe helfen unter­schied­li­che Lern­stile: über­wach­tes, unüber­wach­tes und bestär­ken­des Lernen. Das selbst­stän­dige Lernen, das neuro­nale Netze nutzt – das Deep Lear­ning – ist ein weite­rer Teil­be­reich des maschi­nel­len Lernens.

Eine Frau steht vor einer Wand.
Nicole Höher diskutiert mit den Teilnehmenden praktische Einsatzszenarien.

Risiken und Nebenwirkungen: Arbeitswelt, Ethik und KI

Nicht immer wissen wir exakt, wie der Algo­rith­mus zu seinen Ergeb­nis­sen kommt. „Wie weit vertraut man da der KI“, fragt Chris­tin Poloc­zek. Sie hält es für sinn­voll, zu einem KI-gestütz­ten Vorschlags­we­sen zu kommen. Wenn die KI beispiels­weise mit 80-prozen­ti­ger Wahr­schein­lich­keit eine bestimmte Hand­lung empfiehlt, sollte der Mensch nach dem Vier-Augen-Prin­zip diesen Vorschlag im Einzel­fall bewer­ten.

Mangelnde Trans­pa­renz des Algo­rith­mus ist ein Risiko beim Einsatz von KI. Was passiert mit all den Daten – beson­ders mit perso­nen­be­zo­ge­nen? Ein ethisch verant­wor­tungs­vol­ler, sensi­bler Umgang mit Daten ist wich­tig, um Perso­nen nicht zu benach­tei­li­gen oder zu schä­di­gen. Sicher­heits­lü­cken im System sind eine weitere mögli­che Gefahr.

Einige Semi­nar-Teil­neh­men­den über­le­gen, wie sehr KI künf­tig unsere Arbeits­weise bestim­men wird. Nicole Höher vom KITZ stellt klar: „Sozi­ale und krea­tive Intel­li­genz kann KI noch nicht über­neh­men.“ Das entschei­dende Krite­rium in der Zusam­me­n­a­r­beit von Mensch und Maschine sei es, die sinn­volle Auto­no­mie­stufe zu finden. Soll die KI nur bei ausge­wähl­ten Funk­ti­o­nen assis­tie­ren? Oder soll das System sogar gänz­lich ohne den Menschen funk­tio­nie­ren?

Eine Frau steht neben einer Leinwand.
Vanessa Just erläutert die wichtigsten Aspekte für die KI-Strategie von Unternehmen.

Und nun mit Strategie bitte

Wie können wir nun die KI in unser Unter­neh­men brin­gen? Beispiele für die prak­ti­sche Anwen­dung von KI gibt es schon jetzt reich­lich. Die Teil­neh­men­den entwi­ckel­ten im Semi­nar Einsatz­sze­na­rien für unter­schied­li­che Berei­che und Bran­chen – von Logis­tik über Human Resources bis hin zum Marke­ting.

Klar wurde dabei: Nicht für jede Heraus­for­de­rung ist KI die rich­tige Lösung. Was digi­tale Akteure mittels KI erfolg­reich macht, erläu­terte Vanessa Just. Sie nannte Kunden­zen­trie­rung als zentra­len Ausgangs­punkt und Daten als Schlüs­sel einer jeden KI-Stra­te­gie: „Ana­ly­sie­ren Sie Ihre Daten, um Ihre Kunden zu verste­hen, Markt­ver­än­de­run­gen wahr­zu­neh­men und schnel­ler inno­va­tiv zu sein als andere.“ Mit diesem Wissen könne mit einem konzep­ti­o­nel­len, unter­neh­me­ri­schen oder mit einem daten­ge­trie­be­nen Ansatz aus Daten geschäft­li­cher Nutzen gezo­gen werden.

Ein Ergeb­nis, das wohl alle am Ende mitneh­men: „Der Change ist da und muss jetzt durch­gän­gig gestal­tet werden“, formu­lierte ein Teil­neh­mer. „Wenn man nicht morgen in Rente geht, sollte man nicht warten. Man sollte Risi­ken und Chan­cen bewer­ten – aber es ist alter­na­tiv­los.“ Oder, wie es eine andere Teil­neh­me­rin formu­lierte: „KI ist kein Mons­ter, sondern bietet viele neue Möglich­kei­ten.“

 

Text: Anne­ka­thrin Gut

Playmobilfiguren auf einem Tisch

Seminare

Grundlagen der künstlichen Intelligenz

Weitere Grund­la­gen- und Vertie­fungs­se­mi­nare zum Thema künst­li­che Intel­li­genz bietet das IT-Bildungs­haus der HEC gemein­sam mit dem Bremer KI-Trans­fer-Zentrum an. Infor­ma­ti­o­nen gibt es hier: https://it-bildungshaus.de/weiterbildung/kuenstliche-intelligenz.

Die nächs­ten Termine:

  • 04.04.2022 in Bremer­ha­­ven
  • 11.05.2022 in Bremen
  • 15.06.2022 in Bremen