XP Days Germany 2017 in Stuttgart

Dieses Jahr fanden die XP Days Germany das erste Mal in Stuttgart statt. Bestimmt lag es daran, dass sich zur Konferenzeröffnung am Donnerstagmorgen sehr viele Teilnehmer bei der Frage meldeten, wer zum ersten Mal auf dieser Konferenz sei.
Außerdem musste man sich an den neuen Veranstaltungsort „Haus der Wirtschaft“ gewöhnen, bei dem sogar das Orga-Team über die strengen Hausregeln überrascht war. Tische und Bestuhlung mussten an Ort und Stelle bleiben, um die Fluchtwege nicht zu verstellen. Das vertrug sich so gar nicht mit unserer Lego-Session. Aber wir konnten nach einigen Diskussionen gerade so verhindern, dass der Techniker die gesamte Veranstaltung abbricht. Danach hatten wir einen super Workshop mit begeisterten Teilnehmern, die Konstanze und mir als PO jeweils spitzen Konferenzräumlichkeiten aus Lego gebaut haben (wobei besonders sorgfältig drauf geachtet wurde, dass kein Legostein den Fluchtweg versperrt) und dabei noch einiges über den Scrum Prozess und die Methode, dieses mit Lego zu lehren, erfahren haben.

 

Natürlich gab es neben unseren und weiteren Workshops noch zahlreiche Vorträge, zwei Keynotes und einen Open Space am Donnerstagnachmittag.

In der Keynote am Donnerstag zeigte Oliver Emmler, wie agile Methoden in der humanitären Hilfe zum Beispiel nach dem Erdbeben in Nepal genutzt werden. Der Einblick in die ehrenamtliche Katastrophenhilfe war sehr spannend. Es war sehr beeindruckend zu erfahren, wie Menschen, die nur wenige Stunden nach Erhalt einer Alarmierungs-Nachricht um die halbe Welt fliegen, anderen in größter Not helfen und wie das ganze organisiert ist. Einen Flug um die halbe Welt hatte auch Bernd Schiffer hinter sich. Er hat sich von Melbourne, in das er vor einigen Jahren als Agiler Coach ausgewandert ist, Richtung Stuttgart auf den Weg gemacht, um in seiner Keynote einen Blick auf die Agilität im Wandel der Zeiten und Kulturen zu werfen. Konstanze und ich fanden den Vortrag leider an der entscheidenden Stelle zu flach, wir hätten uns mehr Einblick in den agilen Arbeitstag in Australien gewünscht. Auf Rückfrage haben wir erfahren, dass Australien ein paar Jahre hinter Deutschland liegt, was dies angeht. Dort herrscht aber auch eine deutlich indirektere Kommunikationskultur als wir es gewohnt sind.

Der Happycentriker Rolf Dräther aus Hamburg hat aus dem Buch „Der Bienenhirte“ von Rini von Solingen vorgelesen und reflektiert, wie man die Selbstorganisation in einer Firma von Bienen lernen kann. Dabei wissen die Bienen ganz genau, wie sie ihre Arbeit verrichten müssen. Der Bienenhirte ist an dieser Stelle für die kontinuierliche Abnahme des Honigs zuständig, da ansonsten die Bienen aufhören den Honig zu produzieren. Erinnert euch das an etwas… ? 😉 Der treue Hütehund des ehemaligen Schäfers, der nun der Product Owner der Bienen wurde, ist an der Stelle leider obsolet und darf in seinen wohlverdienten Ruhestand, da er ansonsten durch sein Bellen die Bienen nur hektisch macht.

Unsere Nachbarn Jens Himmelreich und Sven Bange von neuland – Büro für Informatik haben einen sehr anschaulichen Vortrag über Software-Hygiene gehalten. Dabei geht es darum, Software in Blutgruppen einzuteilen, abhängig davon, welcher Typ Software es ist und welche Typen miteinander kombiniert werden können. Um dies umzusetzen muss man wie auch beim Vorgehen von Hygiene-Maßnahmen erstmal erkennen, was für Software man vor sich hat. Dann behandelt man die Software und baut möglichst kleine Schnittstellen, wobei man sich dort sehr gut an der Hexagon-Architektur des Domain Driven Designs bedienen kann. Und letztendlich muss man immer für Prävention sorgen, indem man seinen Code kontinuierlich auf die jeweilige Blutgruppe testet. Wer mehr wissen möchte: Mittwochs ist neuland beim „Frittwoch“ an der Curry Kitchen anzutreffen, wie Konstanze in einer Diskussion über Rituale herausgefunden hat.

Zum Schluss möchten wir euch noch ein paar Timeboxing Hacks von Armin Schubert aus der Firma Emendare mitgeben:

  • Mein Akku ist gleich leer (wenn Muttern nicht versteht, dass ihr nicht ewig Zeit habt)
  • Notizzettel als Merkblatt zum Start, damit ihr euch daran erinnert, woran ihr nach dem Meeting weiterarbeitet
  • Konsensfindung für Diskussionsführung und Abstimmungen (Stimme zu! – Trage es mit! – Veto!)
  • Law of the two feet
  • Jede Kommunikation hat ein Ziel, indem man Akzeptanzkriterien für die Agenda definiert
  • Disruptive Intervention

Und zu guter Letzt: Geht respektvoll in eure Meetings und in Diskussionen mit euren Kollegen! Dabei unterstützt ein respektvolles Timeboxing.

Verfasst von Ina Einemann am 16. Oktober 2017