HEC Blog: Technik & Methoden
Programmierer:innen arbeiten gemeinsam
Verfasst von Björn Seebeck am 26. April 2021
Remote Mob Programming

Gemeinsam im virtuellen Teambüro coden

Soft­ware im Home­of­fice zu entwi­ckeln ist bequem. Aber es macht auch einsam. Vor zwei Mona­ten haben wir deshalb ange­fan­gen, mit Remote Mob Program­ming zu arbei­ten. In unse­rem Team bear­bei­ten wir – drei Kolle­gen und ich – für unse­ren Kunden sämt­li­che Featu­res und Bugs gemein­sam. Nach dem Motto: einer tippt, die ande­ren denken. Inzwi­schen hat ein weite­res Team nach­ge­zo­gen. Warum wir diese Methode so gut finden? Das erzähle ich euch!

Remote Mob… – was? Wie geht das?
Wir star­ten um 8 Uhr morgens via Zoom in einem Online-Raum. Reihum arbei­ten wir in 10 Minu­ten-Inter­val­len. Eine Person – der Typist – gibt seinen Bild­schirm frei und macht im Prin­zip das, was ihm die ande­ren Entwick­ler sagen. Nach 10 Minu­ten über­nimmt der Nächste. Wenn Jeder zwei­mal an der Reihe war, schie­ben wir eine kurze Kaffee­pause ein. Danach geht es weiter, mit entspre­chen­den Pausen natür­lich. Wir sind ganzen Tag mit einge­schal­te­ter Webcam und Mikro im Online-Raum präsent. Die Kolleg:innen aus dem Unter­neh­men unse­res Kunden können jeder­zeit vorbei­kom­men. Im Prin­zip ist es so, als würden wir alle in einem Büro sitzen.

Gibt es Vorteile, die der Kunde direkt spürt?

Viele! Im Wesent­li­chen sind es diese:

Playmobilfiguren als Programmierer:innen
Remote Mob Programming - nicht mehr allein im virtuellen Büro. Foto: Franziska Seebeck

Wie ist unser Team darauf gekom­men, diese Methode anzu­wen­den? 
Vor zwei Jahren habe ich einen Podcast gehört, in dem ein Team davon berich­tete, wie begeis­tert es von dieser Methode ist. Schon damals habe ich das Thema sehr inter­es­sant gefun­den, aber noch nicht voran­ge­trie­ben.

Manch­mal muss man eben zu seinem Glück gezwun­gen werden! Aufgrund der Corona-Pande­mie arbei­ten wir bereits seit Mitte 2020 ausschließ­lich aus dem Home­of­fice. Je länger die Pande­mie dauert, desto weni­ger wurde der Austausch zwischen uns. Anfang 2021 sagten wir, dass sich etwas ändern muss. Und da kam RMP ins Spiel: Wir haben ein, zwei Bücher gele­sen und losge­legt.

Ist Remote Mob Program­ming ganz neu?
Mob Program­ming ist eine Weiter­ent­wick­lung des Pair-Program­ming und kommt aus dem Extreme Program­ming, das wohl um 2003 entstan­den ist. MP wird Anfang der 2000er erst­mals erwähnt und ist somit also nicht wirk­lich neu. Es hat auch bei der HEC schon statt­ge­fun­den, aber eher für einen fest­ge­leg­ten Zeit­raum oder spezi­fi­sche Aufga­ben.

RMP hat sich dage­gen erst in den letz­ten Jahren verbrei­tet. Der Grund ist wahr­schein­lich, dass sich Remote Arbeit mehr etabliert hat. Das war vor 10 bis 20 Jahren aufgrund tech­ni­scher Hürden schwie­rig oder von Firmen nicht so recht gewünscht. Darüber hinaus waren viele Tools nicht so ausge­reift wie heute. Jetzt ist das Thema – nicht zuletzt wegen Corona – immer mehr im Kommen.

Was haben die Teams davon?
Das Team profi­tiert ebenso wie die Kunden davon, dass Wissens­in­seln aufge­löst werden, die Velo­city belast­ba­rer wird und es mehr Zeit gibt, weil Meetings wegfal­len. Posi­tiv ist außer­dem:

Playmobilfiguren als Programmierer:innen
Remote Mob Programming - gemeinsam besser coden! Foto: Franziska Seebeck

Soll­ten auch andere Entwick­lungs­teams RMP nutzen?
Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert! Aber die Rahmen­be­din­gun­gen müssen stim­men:

  • Team­stärke 3 bis 4 Entwick­le­rIn­nen – weni­ger ist kein Mob, mehr ist inef­fek­tiv.
  • Alle müssen remote tätig sein – zwei im Büro, zwei Remote ist nicht sinn­voll, weil dann die Kommu­ni­ka­tion ungleich ist.
  • Zeit­li­che Abstim­mung – wenn der eine um 6 Uhr, der andere erst um 10 Uhr anfängt, dann funk­tio­niert das nicht.
  • Last but not least: Kunden­zu­stim­mung – RMP kann auf den ersten Blick inef­fek­tiv wirken, ist es aber defi­ni­tiv nicht. Dennoch muss man das Vorge­hen erklä­ren können.

Also, alles gut?
Natür­lich gibt es bei viel Licht auch Schat­ten. So redu­ziert sich die Zeit auto­ma­tisch, die jeder Einzelne mit dem Coding beschäf­tigt ist. Manch­mal ist es auch etwas schwie­rig, Dinge verbal zu beschrei­ben. Dann würde es viel­leicht schnel­ler gehen, wenn man sie selbst codie­ren könnte. Hier empfiehlt sich die Verwen­dung eines Online White­boards um Sach­ver­halte visu­ell darstel­len zu können.

Es benö­tigt durch­aus Diszi­plin, auch bei einfa­chen Themen am Ball zu blei­ben und sich nicht mental auszu­klin­ken. Darüber hinaus muss man seine Arbeits­weise an die des Teams anpas­sen und sich beispiels­weise auf halb­wegs einheit­li­che Arbeits­zei­ten eini­gen.
 

Mein Fazit nach zwei Mona­ten Remote Mob Program­ming:
Die Vorteile über­wie­gen die Nach­teile deut­lich, insbe­son­dere in der jetzi­gen Home­of­fice-Situa­tion. Es macht einfach wieder rich­tig Spaß zusam­men­zu­a­r­bei­ten, statt alleine Probleme zu wälzen. Ich möchte mir eine Rück­kehr zum Einzel­kämp­fer-Dasein nicht mehr vorstel­len!

Der Autor

Björn Seebeck ist seit 2006 bei der HEC tätig und hat in dieser Zeit viele Projekte als Soft­wa­re­ent­wick­ler umge­setzt. Sein Schwer­punkt ist Soft­wa­re­a­r­chi­tek­tur sowie Infra­s­truk­tur­the­men. Privat ist er viel mit dem Moun­tain­bike unter­wegs und fiebert mit den Fischtown Pingu­ins in der Eisa­rena mit.

Wer RMP im Projekt auspro­bie­ren möchte, dem hilft Björn gerne bei den ersten Schritten!

Weitere Infos zum Thema findet Ihr online hier https://www.remo­te­mob­pro­gram­ming.org/ oder als Buch https://prag­prog.com/titles/mpmob/code-with-the-wisdom-of-the-crowd/ .