Die HEC von 1988 bis heute – Letzter Teil: Abenteuer IT

Aus der HEC – Blog
Verfasst von Iris-Marina Nixdorf am 23. Oktober 2018

Das Jubiläumsjahr der HEC neigt sich dem Ende zu und damit auch unsere Blogreihe über die vergangenen 30 Jahre. Wie immer kommt das Beste zum Schluss: Die Outtakes. Dinge, über die wir hier noch nie gesprochen haben, erfahren Sie jetzt.

Andere wohnen wo wir arbeiten

Das junge Start-Up HEC hatte seine ersten Büros in der Knochenhauer Straße in der Innenstadt. Dort waren Wohnungen mit Bad und Küche zu Büros umgebaut worden, entsprechend gab es kleine Räume, eine ordentliche Küche und ein Bad. Die erste Wohnung lag in der dritten Etage, dann wurde die Wohnung gegenüber gemietet und später noch eine im zweiten Stock. Da es damals noch kein internes Netzwerk gab, musste man sich keine Gedanken über das Verlegen von Kabeln machen, sondern man lief mit Floppy Disks (das sind die lustigen Scheiben gewesen, auf denen man sage und schreibe bis zu 1,44 MB speichern konnte) durch das Treppenhaus um Daten auszutauschen.
Die Ausstattung der Büros mit Bädern kam einem Kollegen sehr zugute, der, für den Fall, dass er zu Abendveranstaltungen ging, einen Schlafsack im Schrank hatte. In dem Fall wurden die Büros tatsächlich bewohnt. Den Zustand hätten sich die zwei Frauen, die über der HEC wohnten, ohnehin gewünscht: Sie beschwerten sich regelmäßig, dass dort noch gearbeitet wurde, wenn sie schon Feierabend haben wollten. Man weiß ja nicht, wie laut damals das Programmieren war…? Aber vielleicht störte sie ja der Hund, den eine Kollegin jeden Tag ins Büro mitbrachte. In der HEC störte er jedenfalls keinen.
Unten im Haus war ein Kontaktlinsengeschäft, das von Zeit zu Zeit IT-technische Probleme hatte, wie Floppy Disks, auf denen die Daten verschwunden waren oder Probleme mit Excel. Dann ging Bärbel Rolfes helfen und bekam nachbarschaftlichen Dank in Form von Champagner. Warum hatten die Damen von oben bloß keinen Computer…?

Frauenförderung 1992

Der damalige Geschäftsführer wollte mutmaßlich Frauen in der IT fördern und lobte die Mitarbeiterin des Jahres aus. Die Kriterien liegen im Dunkeln, aber der Preis, der zu gewinnen war hat es in sich: ein Reisebügeleisen. Er wollte auch sicherstellen, dass die Damen der HEC, in diesem Falle Alexandra und Bärbel, für den Stand auf der CeBIT gut gekleidet waren. Er sandte seine Assistentin mit ihnen zum Shoppen und beide wurden mit Kostümchen eingekleidet. Als Bärbel für längere Zeit beim Kunden vor Ort arbeitete, bekam sie zweihundert Mark Sonderbonus, um damit Kundenauftritt-gängige Röcke zu kaufen. War eben 1992.
Ob das alles wirklich förderlich war bleibt dahin gestellt: An den HEC Messestand kam ein Mann mit speziellen Fragen zu SQL. Die wollte er aber nur einem kompetenten Kollegen stellen, ob denn Herr Dr. Wolf zur Verfügung stehe? Kurz darauf wandten sich beide Männer wieder an Bärbel. Das waren etwa die Worte von Dr. Wolff: „Sprechen Sie mit Frau Rolfes, sie ist die mit der größten SQL Kompetenz.“ Leicht hatten es die Frauen damals nicht. Sie mussten sich ihre Position im Team und beim Kunden erkämpfen, besonders wenn sie jung waren.
Ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung, der sich leider nicht durchgesetzt hatte, war die Küchendienstliste in der Linzer Straße. Jeder war mal dran und die Küche sah immer gut aus. Und wenn nicht, konnte jeder sehen, wer geschlampt hatte. Ganz ohne Video-Überwachung.

Als auf Messen noch Produkte gelauncht wurden

Die HEC hatte damals einen Stand auf der CeBIT, auf der Systems in München und der Orgatec in Köln. Vor der CeBIT gab es immer eine Urlaubssperre, damit alle HEC Produkte dort fertig präsentiert werden konnten. Fast das gesamte Messeteam blieb die 7 Nächte in Hannover und schlief in Privathaushalten, deren Besitzer Kinderzimmer umfunktioniert und Bäder aufgeräumt hatten, um Ihren Finanzhaushalt aufzubessern. Manchmal traf man auf fürsorgliche alte Damen und manchmal auf maulige Teenies, die sich nun ein Zimmer teilen mussten. Airbnb in Frühform.
Zur Systems und Orgatec waren immer zwei Mitarbeitende vorgesehen. War alles gebucht und alles geplant, konnte es am Tag vor der Messe noch passieren, dass der Chef die Personalie umwarf und spontan andere Kollegen fragte. So kam Michael Sandfuchs nach Brüssel „Haben Sie morgen etwas vor? Nein? Dann fahren Sie doch morgen nach Belgien.“ Da fand ein Microsoft Product Launch Happening statt. Wie agil!

Projektaufwandsschätzungen

„Haben sie mal kurz Zeit? Dann kommen Sie mal rein.“ So der Originalton des Geschäftsführers. „Was meinen Sie denn, wie lange es dauern würde, die Anpassung XY umzusetzen?“ So wurde man aufgefordert spontan eine Schätzung abzugeben. Nach kurzer Diskussion war das Gespräch beendet. Dasselbe Gespräch mit zwei-drei Leuten geführt ergab einen Mittelwert, mit dem der Chef ein Angebot kalkulieren konnte. Man munkelt, er nahm den unteren Wert… Wer das Projekt dann durchführte war noch eine andere Frage, nicht immer der oder die, deren Schätzung Grundlage für das Angebot war Man kann das als Vorstufe zum Planing Poker in Kombination mit der Skatregel „wer schreibt der bleibt“ verstehen.“

Damals in der Mittagspause

Ein ehemaliger Kollege war am Schreibtisch eingenickt. Leider wurde er wach als der Chef hereinkam, der mit ihm eine Frage diskutierte. Als der Kollege danach auf dem Bildschirm schaute, hoffte er, dass der Chef nicht gesehen hatte, was da stand: nur krauses Zeug, das er mit seinem Kopf auf der Tastatur geschrieben hatte. Ganz großes Programmierkino.

Sommerfeste mit der Band

Jedes Jahr war HEC Sommerfest mit den Familien der Mitarbeitenden, mit Julio am Grill und der HEC Band mit ihrem ganzen Repertoire. Die Parkplätze oder Tiefgarage (bei Regen) in der Linzer Straße und Haferwende waren der Ort und die Kolleginnen vom Teamcenter boten den Service. Nachdem sie als Festausschuss alles vorbereitet hatten, waren sie auch diejenigen, die beim Fest die Spiele leiteten, bedienten und abräumten. War so, da kann man jetzt nichts machen. Spiele? Ja, lustige Mannschaftsspiele gehörten zum Programm jedes HEC Sommerfestes bis zum Umzug in den Schuppen Eins. Karl-Heinz brach sich dabei mal ein Bein, aber sonst gab es keine Verluste.
Die HEC Sommerfest-Band übte für die Sommerfeste tanzbare Musik ein und war ein echter Hinhörer. Mitwirkende waren: Heiko Gesang/Gitarre, Bärbel Querflöte und Background, Kirstin Background, Jürgen Schlagzeug, Jörg Keyboard, Klaus Trompete, Günther Bass. Partner machten auch mit: Günthers Frau war Mixerin. Mit Heikos Berliner Akzent klang das „come on everybody“ in Lets twist again besonders reizend. Die Bandproben liefen Anfang der 90er anders als heute. Ohne Internet wurden die Liedtexte gemeinsam von Cassette herausgehört, wobei alle versuchten, den englischen Text zu verstehen. Die Noten wurden gekauft und nicht heruntergeladen oder es wurde einfach nach Gehör gespielt. Hier noch eine Auswahl der gespielten Lieder: Stairway to heaven, Balla Balla, Johnny Waker, Winds of Change, Bad Bad Leroy Brown, Alice, Im Wagen vor mir … Rada rada radadada…
Eines der lustigen Spiele war, einen HEC Text auf Alice zu texten und dann mit Bandbegleitung zu singen. War schon toll, aber nach etwa vier Jahren endete die Karriere der Sommerfest Band. Die Nachfolge Band spielte leider nicht bei den Sommerfesten. Sie probten regelmäßig in einem Bunker und spielten auch eigene Kompositionen, bis auch dieser upcoming Star am Himmel verglühte.

Spektakuläre Ereignisse

Eins
Markus kam morgens in der Linzer Straße als erster in die Fima. Beim Anblick von aufgeschraubten Rechnern dachte er, Volker, bis heute HEC Admin, sei schon aus dem Urlaub zurück und früh aktiv. Bis er sah, was fehlte: Aus allen Rechnern waren die Speicher ausgebaut worden. Das war zur der Zeit, als Speicher immer teurer wurden und so die Rechnerpreise in die Höhe trieben. Alles andere, inklusive Mietautoschlüssel und Mietauto selbst, waren unberührt. Geschickter Weise hatten die Räuber nur die Räume ausgeraubt, die nach hinten zum dicht begrünten Graben lagen. Die Räume, die zur Straße lagen, waren unberührt.
Zwei
In der Haferwende waren die Büros in den einzelnen Etagen gegen das Treppenhaus gesichert. Zwischen Fahrstuhl und Treppe war ein Spalt, den jemand freitags während unserer Arbeitszeit nutzte, um in die Büros zu kommen und Notebooks zu stehlen. Er hatte sogar die Dreistigkeit, das in beiden Etagen nacheinander zu tun. Nach Erstellung eines Fantombildes stellte sich heraus: Senay hatte ihn schon einmal gesehen, weil er bei ihrem vorherigen Arbeitgeber auch schon alles leergeräumt hatte. Der Typ war deshalb noch in Haft, hatte aber freitags Freigang, den er lukrativ zu nutzen wusste. Er hat sich ins Gewerbegebiet bringen lassen und dann mehrere Firmen beraubt. Thank God ist Friday.
Drei
In der Buschhöhe wurde das Gewerbegebiet zwei Mal evakuiert. Die alten Sendemasten von Radio Bremen mussten weg, konnten aber nicht alle abgebaut werden. Einer musste gesprengt werden und deshalb gab es in den anliegenden Firmen „Sprengungsfrei“. Nachdem das Feld nach der Sprengung geräumt war, entdeckte man am selben Ort eine Fliegerbombe. Wieder gab es „Sprengungsfrei“, dieses Mal aber ohne Sprengung. Man fragt sich, warum nicht erst nach Bomben gesucht und dann die Sendemasten mit der gefundenen Bombe gesprengt wurden. Das wäre ein genialer Plan und außerdem viel billiger gewesen.

Nach dem 30. Jubiläum ist vor dem 40. Jubiläum

Das heißt: Wir sammeln schon wieder Material für den Rückblick auf “damals, als wir von der Buschhöhe in diesen alten Schuppen am Europahafen zogen.”
Kapitel Eins ist schon geschrieben….