HEC Blog: Aus der HEC
Verfasst am 18. Juli 2018
Die HEC von 1988 bis heute (3)

Entwicklungen

Mitte der 90er entschied die Geschäfts­lei­tung der HEC, sich von der Vermark­tung der eige­nen Soft­ware Produkte zu verab­schie­den und sich auf das Projekt­ge­schäft zu konzen­trie­ren. Was hatte die HEC denn so im Ange­bot? Soft­wa­re­pro­dukte wie ADRTec, ein eigenes CRM,TimeTec, ein Terminkalender-Tool, DDETec eine Datenaustauschschnittstelle, AVATec, eine Anwendung für die Baubranche zur Ausschreiben, Vergeben und Abrechnen von Bauleistungen und OrgaTec, eine Anwendung, mit der man seine Termine und Kontakte aufbereiten konnte, um sie hiernach auf dem Sharp-Organizer verwalten zu können. All das wurde nicht mehr verkauft und die noch bei Kunden laufenden Programme wurden an andere Anbieter übergeben, um den Support zu sichern. Der Schnitt sollte so vollständig wie möglich sein, um sofort den Fokus auf Softwareprojekte richten zu können.

Provisorien halten ewig

Über ein Programm, das in den 90ern als Trai­nings­wiese für HEC-Kolle­gen gedacht war, spricht Julio Cerezo. Er ist in der HEC für die Finan­zen verant­wort­lich und seit 1990 im Unter­neh­men. Er sagt, „die jungen Kolle­gen soll­ten sich in MS Visual Basic einar­bei­ten und program­mier­ten ein Projekt­steue­rungs­sys­tem, schlicht PSS genannt. Mehrere Mitar­bei­tende, die teil­weise auch heute noch in der HEC arbei­ten, lern­ten so diese Program­mier­­spra­che“. Es stellte sich heraus, dass das Ergeb­nis tatsäch­lich verwend­bar war und nur an eini­gen Stel­len von erfah­re­nen Program­mie­rern verfei­nert werde musste. Und wie das so ist mit selbst gestrick­ten Socken: sie sind solide, halten ewig und müssen nur hier und da mal ausge­bes­sert werden. „PSS wird heute noch zur Projekt­steue­rung in der HEC verwen­det, ist mit der Zeit anwen­d­er­freund­li­cher gewor­den und liefert nach wie vor eine einwand­freie Kosten­rech­nung ab.“

Visual Basic vs. Java

Verschie­den Groß­kun­den der HEC verwen­de­ten Visual Basic, neben der SAP-Welt, als Stan­dard-Program­mier­spra­che. Letzt­lich war man damit aber von Micro­soft abhän­gig. Anfang der 2000er war einer diese Kunden die Ruhr­gas AG in Essen, die SAP als führen­des System hatte, aber mit vielen weite­ren Anwen­dun­gen auf Visual Basic arbei­tete. Um dieser Abhän­gig­keit von Micro­soft zu entkom­men baten die Esse­ner die HEC um Bera­tung für eine Alter­na­tive. Wir rieten zu Java und mach­ten in der Folge den größ­ten Teil der Umstel­lung.

Wem gehört die HEC?

1998 kamen wir durch einen persön­li­chen Kontakt von Julio Cerezo mit dem Unter­neh­men „Festma“ ins Gespräch. Das Anbah­nungs­ge­spräch führte Thors­ten Haase, gefolgt von Günther Ewald, der als drit­ter HECler einen Auftrag konkre­ti­sie­ren sollte. In Zeiten, in denen das Inter­net noch nicht auf jede Frage eine Antwort hatte, wurde Günther die erstaun­li­che Frage gestellt „Gehört Ihnen dreien das Unter­neh­men?“  Günther: „Nein, warum?“,  Kunde: „Steht HEC nicht für Haase, Ewald, Cerezo?“ …

Pflichtenhefte und Festpreise

Zu der Zeit bedien­ten wir noch viele Indus­trie- und Behör­den­kun­den, die letzt­ge­nann­ten insbe­son­dere im Bereich IT-Bera­tung. Die Projek­t­ab­wick­lung war immer an den Kunden ange­passt, was bedeu­tete, dass bei Behör­den noch viel mit dicken Pflich­ten­hef­ten und nach der Wasser­fall Methode gear­bei­tet werden musste. Grund dafür waren Vorga­ben für die Vertrags­ge­stal­tung: es muss­ten immer Fest­preise verein­bart werden. Also wurde der gesamte Umfang im Pflich­ten­heft aufge­führt, mit einem Preis verse­hen und letzt­lich auch von Anfang bis Ende abge­ar­bei­tet. Mit manchem zustän­di­gen Behör­den­mit­ar­bei­ter konnte man aber auch über kleine Schritte reden und dann produk­ti­ver arbei­ten.

Irgendwie agil

Eine andere Methode, mit der für Behör­den gear­bei­tet wurde, war das evolu­tio­näre Proto­ty­ping mit dem soge­nann­ten V-Modell. Es wurde ein einfa­ches Modell entwi­ckelt, meist ausge­hend von der Ober­flä­che, das dann abge­nom­men wurde. Danach wurde der Proto­typ nach dieser Methode mit Leben gefüllt und weiter verfei­nert, bis das Produkt fertig war.

Bei Großun­ter­neh­men war es damals noch üblich, riesige Pflich­ten­hefte zu erstel­len und diese dann zu verge­ben. Nach langer Zeit kam dann aus dem Produk­ti­ons­land der Wahl (Outsour­cing) eine Soft­ware zurück, die mehr oder wenig die Bedürf­nisse des Kunden traf.

Mittel­stän­di­sche Unter­neh­men gingen eher auf unse­ren Ansatz ein, mit so wenig Pflich­ten­heft und so viel Kommu­ni­ka­tion wie möglich zu arbei­ten. Wenn wir nicht selbst schmale Pflich­ten­hefte erstell­ten, sondern bei Kunden Pflich­ten­hefte vorfan­den, teil­ten wir diese in kleine Sequen­zen auf. Für diese Sequen­zen konnte ein Fest­preis verein­bart werden. So wurde produ­ziert, dann getes­tet und gelie­fert und wieder produ­ziert, getes­tet und gelie­fert. Das Risiko für beide Seiten wurde verrin­gert. Irgend­wie schon ein biss­chen agil – es hieß aber nicht so.
Nun, die Zeiten ändern sich: Heute berät die HEC Tochter Kurswechsel Unternehmen unterschiedlicher Größe mit dem Ziel der agilen Arbeitsweisen.

Mehr Mitarbeitende – flachere Hierarchie

Die HEC war Anfang der 2000er auf etwa 50 Mitar­bei­tende gewach­sen und hatte ihre Büros in der Hafer­wende in Horn. Um weiter zu wach­sen, wech­selte sie Ende 2000 eine Straße weiter in die Busch­höhe. Die während des  Wachs­tums einge­zo­ge­nen Hier­ar­chie-Ebenen von Geschäfts­lei­tung, Projekt­ma­na­ge­ment und Projekt­lei­tung waren irgend­wann nicht mehr zeit­ge­recht. Daher entschloss man sich, die Hier­ar­chie aufzu­lö­sen, die Posi­tio­nen einzu­mot­ten und nur noch mit Team­lei­tern zu arbei­ten. Auch das musste sich erst etablie­ren und ging nicht ohne Schmer­zen an manchen Stel­len. Glück­li­cher­weise war aber genau diese flache Hier­ar­chie der Grund, warum die HEC 2008 so gut in die Denk­weise des team neusta Geschäfts­füh­rers Cars­ten Meyer-Heder passte. Die HEC war schon einen großen Schritt auf dem Weg zu agilen Struk­tu­ren gegan­gen und bekam durch die Zuge­hö­rig­keit zum team neusta ordent­lich Wind in den Rücken.

Tatsächlich agil mit Scrum

Durch die vertrau­ens­volle Bera­tung und enge Kommu­ni­ka­tion mit den Kunden wurden Geschäfts­be­zie­hun­gen mehr und mehr zu Part­ner­schaf­ten. Das dadurch gewach­sene Vertrauen (viele dieser Part­ner­schaf­ten sind schon älter als 10 Jahre) machte es uns leicht, die in langer Zusam­men­ar­beit gewach­se­nen Routi­nen aufzu­bre­chen und zu agilen Arbeits­wei­sen zu gelan­gen. Nicht immer, aber immer öfter.

In den 2000er Jahren basier­ten die Vorge­hens­weise der HEC auf „wenig Pflich­ten­heft, viel Kommu­ni­ka­tion zum Kunden, kleine Schritte“. Im Laufe der 2010er hat sich diese Vorge­hens­weise durch die bekann­ter werdende Methode Scrum etabliert. Die dazu notwen­dige Denk­weise hat sich nach und nach in den Köpfen der Beleg­schaft der HEC verfes­tigt. Seit­dem ist Scrum in der HEC zur führen­den Methode gewor­den, die wir nicht nur einset­zen, sondern auch weiter­emp­feh­len und lehren: die Soft­ware-Akade­mie, ein Geschäfts­be­reich der HEC, bietet verschie­dene Work­shops zum Thema an und HEC Kolle­gin­nen und Kolle­gen halten regel­mä­ßig Vorträge bei Konfe­ren­zen zum Thema Agile Arbeits­wel­ten. Konse­quen­ter Weise wird die Team­struk­tur in der HEC immer weiter verfei­nert, mitt­ler­weile auf elf selbst orga­ni­sier­teTe­ams, die ihre Kunden indi­vi­du­ell und agil bedie­nen.

Jetzt und später

Einen Ausblick gibt Geschäfts­füh­rer Thors­ten Haase: „Ich möchte mit meinen aktu­ell 150 Leuten die tolle Zusam­men­ar­beit mit den Schwes­ter­ge­sell­schaf­ten im team neusta Verbund weiter ausbauen und festi­gen. Und natür­lich wollen wir auch weiter­hin span­nende Arbeitsplätze anbie­ten, ein gutes Umfeld schaf­fen, uns die besten Talente sichern und unser Wachs­tum durch exzel­lente Leis­tun­gen in Bera­tung und  Entwick­lung voran­trei­ben.“

Zu den anderen Teilen

Teil 1: Wie alles begann

Teil 2: Arbei­ten in den 90ern

Teil 4: Aben­teuer IT