HEC Blog: Aus der HEC
Verfasst von Iris-Marina Nixdorf am 18. Mai 2018
Die HEC von 1988 bis heute (2)

Arbeiten in den 90ern

In den Anfangs­jah­ren der HEC war gar nicht klar, welcher Tech­nik in diesem Unter­neh­men die Zukunft gehö­ren würde. Windows, OS2 und Unix waren alle neu und span­nend, Weiter­ent­wick­lun­gen wurden moti­viert ange­nom­men, aber eine Entschei­dung fiel schwer. Als Micro­soft sein Betriebs­sys­tem Windows 3 auf den Markt brachte, war klar, dass hier ein Sprung gelun­gen war, der die ande­ren Programme in den Schat­ten stellte. Und schon fiel die Entschei­dung gar nicht mehr schwer:  Windows 3 über­zeugte die HEC und so wurde bereits Anfang  der 90er weitest­ge­hend Soft­ware für die Windows Platt­form imple­men­tiert. In dem Falle meist Client-Server-Lösun­gen. Die Daten­ban­ken auf dem Server liefen dann ggf. auch auf Unix, etc.

Die dama­lige Stra­te­gie der HEC unter­schied sich sehr von der heuti­gen: anfangs wurden auf der neuen Platt­form Stan­dard­lö­sun­gen entwi­ckelt, die aller­dings schwie­rig zu vermark­ten waren. Das war verständ­li­cher­weise nicht gut für die Stim­mung und fürs Geschäft. Mit dem neuen Geschäfts­füh­rer Thors­ten Haase, der 1994 einstieg, konzen­trierte sich die HEC ab 1995/96 auf das Projekt­ge­schäft mit Indi­vi­du­al­soft­ware und  indi­vi­du­el­len PC-Netz­wer­ken.  Gleich­zei­tig hat die HEC indi­vi­du­elle Soft­wa­re­pro­jekte umge­setzt und Stan­dard­lö­sun­gen für den Office-Bereich wie Adress­ver­wal­tung und Termin­ver­wal­tung entwi­ckelt.

Damit waren die 35 Mitar­bei­ten­den gut ausge­las­tet. Sie drän­gel­ten sich mitt­ler­weile nicht mehr in den klei­nen Büros in der Knochen­hauer Straße, sondern resi­dier­ten seit 1993 schick am neuen Sitz der Firma in der Linzer Straße – whow! – im aufblü­hen­den Tech­no­lo­gie­park an der Uni.

Java und .Net

Anfang der 90iger entwi­ckelte Sun Java. Damals war die Spra­che noch nicht so ausge­reift, dass sie für die profes­sio­nelle Entwick­lung inter­essant war. Für uns inter­essan­ter dage­gen schien die von Micro­soft Mitte der 90er verfüg­bare eigene Java-Entwick­lungs­um­ge­bung für Windows, Visual J. Sie fiel nach der Begut­ach­tung hier im Hause durch und setzte sich insge­samt nicht durch. Java dage­gen wurde weiter­ent­wi­ckelt und ab Ende der 90er auch bei der HEC für kommer­zi­elle Lösun­gen verwen­det. Micro­soft ging eigene Wege und baute auf eine eigene Entwick­lung: .Net war Ende 1999/Anfang 2000 so weit, dass es hoch­pro­duk­ti­ven Soft­wa­re­ent­wick­lun­gen genügte und bei der HEC Einzug hielt.

Die Arbeit für und mit Kunden im No-Net-Zeitalter

Die Zusam­men­ar­beit mit unse­ren Kunden lief damals nicht so wie heute, wie auch, ohne Daten­trans­fer. Günther Ewald beschreibt ein Projekt so: „Man fuhr zum Kunden und inter­viewte den EDV-Leiter oder die Geschäfts­füh­rung zu ihren Vorstel­lun­gen von der neuen EDV-Lösung. Und man schrieb mit – in den Colle­ge­block aus Papier. Zurück im Büro wurde die Spezi­fi­ka­tion im den PC erfasst, hübsch gemacht, und als ein dickes Bündel Papier gedruckt. Das ging dann per Post oder Fax zum Kunden, der es korri­giert zurück­schickte oder man fuhr damit zum Kunden, um es gemein­sam durch­zu­spre­chen.  Zurück im Büro wurden die Ände­run­gen einge­ar­bei­tet, gedruckt und wieder ab in die Post oder ins Faxge­rät. Schön, wenn der Kunde die Spezi­fi­ka­tion abnahm und unter­schrie­ben zurücksandte. Ansons­ten gab es aber ja auch Tele­fon und Tele­fax, um Inhalte zu klären bzw. Proto­kolle schnell zu versen­den.

Dann konnte die Entwick­lungs­ar­beit begin­nen. Die Kolle­gen und Kolle­gin­nen arbei­te­ten in selte­nen Fällen beim Kunden vor Ort (wie im Entwick­lungscen­ter der Tele­kom in Bremen und Olden­burg), meist aber bei der HEC. So wurde in Bremen entwi­ckelt, anfangs manch­mal ohne zwischen­zeit­li­chen Kontakt bis zum Auslie­fe­rungs­tag. Hat sich das bewährt? Natür­lich nicht, wie es heute kaum mehr wundert. Also verein­barte man Termine um Zwischen­schritte durch den Kunden begut­ach­ten zu lassen. Lief dann besser!

„On the road again“ and again, and again ….

Nur wie lief denn so eine Begut­ach­tung von Entwick­lungs­fort­schrit­ten ohne Spei­cher­karte und Onli­ne­ver­bin­dung? Die Entwick­ler pack­ten Compu­ter (nannte sich später schon Laptop, 386er, war aber eher ein Koffer) und Projek­tor ins Auto und fuhren mit Hard- und Soft­ware zum Termin. Und wenn man dortige Infra­struk­tur nutzen wollte, konnte es passie­ren, dass etwas nicht kompa­ti­bel und man mit mehre­ren vor einem klei­nen 15“ Bild­schirm saß. Im schlimms­ten Fall fuhr man unver­rich­te­ter Dinge wieder heim. Wer auf Nummer Sicher gehen wollte, der druckte die Präsen­ta­tion auf Folie und zeigte sie beim Kunden über dessen Over­head Projek­tor. Wenn die Hürde des Drucks genom­men, nichts verzo­gen oder verschmiert war und die Folien schick, dann gingen die Kompa­ti­bi­li­täts­pro­bleme bei dieser Präsen­ta­ti­ons­weise gegen Null. Wenn die Soft­ware auf umfang­rei­chen Daten­ban­ken basierte, dann musste der Kunde zur HEC kommen. Riesige Spei­cher­plat­ten zu trans­por­tie­ren ging nicht wirk­lich, das Spei­cher­me­dium war einfach noch nicht erfun­den und 30 Disket­ten wären ein großes Risiko gewe­sen. Einer der ersten großen HEC Kunden war damals die Landes­zen­trale für poli­ti­sche Bildung (LZfPB)in Düssel­dorf. In der Entwick­lungs­phase fuhr man zu zweit bis viert alle 2-3 Wochen ins Rhein­land und blieb dann für 2-3 Tage dort, um danach hier in Bremen weiter­zu­ent­wi­ckeln. Zwischen­durch beka­men wir zusätz­lich Besuch vom LZfPB Bera­ter aus Düssel­dorf.

Großrechner werden zu Großservern

Eines der ersten PC-Netz­werke, die Günther Ewald bei einem Kunden instal­lierte, stand bei dem Auto­lo­gis­ti­ker Mosolf in Bremer­ha­ven. Der wollte seinen IBM Groß­rech­ner AS 400 ablö­sen. Das Team der HEC arbei­tete zwei, drei Jahre an den Soft­wa­re­lö­sun­gen für die PCs und lieferte dann die finale Lösung aus. Nicht ohne Probleme und viele Nach­ar­bei­ten. Das wirk­lich beein­dru­ckende an dem Projek­t­er­geb­nis war der Server­schrank, den man instal­lie­ren musste, um das PC-Netz­werk zu betrei­ben. Er war nicht wirk­lich klei­ner als die AS 400 – im Gegen­teil, eher größer. Aber Plat­zer­spar­nis war ohne­hin nicht das Ziel von Umstel­lun­gen, sondern die Indi­vi­dua­li­sie­rung der Arbeit von Abtei­lun­gen und einzel­nen Mitar­bei­ten­den mit dem lang­fris­ti­gen Ziel der Effek­ti­vi­täts­stei­ge­rung.

Modernes Arbeiten ohne wenn und aber

Heiko Müller bediente seit Mitte der 90 er Jahre einen unse­rer damals größ­ten Kunden Lexau Schar­bau (Leschaco, inter­na­tio­na­ler Logis­ti­ker), sein zwei­ter großer Kunde bei der HEC. Er hatte schon erkannt, dass man ein großes Projekt besser in kleine Happen zerteilt, diese fertig­stellt und mit funk­tio­nie­ren­den Teil­er­geb­nis­sen wöchent­lich zum Kunden fährt. Wurden sie abge­nom­men, dann konnte man sich sicher und moti­viert an die Weiter­ar­beit machen. Wie ernst damals schon die Einbe­zie­hung der Anwen­der genom­men wurde, merkte Heiko Müller, als er zu einem Work­shop mit erwar­te­ten zwei Teil­neh­mern fuhr und sich dann zwölf Leuten gegen­über sah. Man hatte alle dazu gebe­ten, die mit dem Produkt zu tun hatten. Inter­views mit Anwen­dern waren auch damals schon die Grund­lage für die Anfor­de­rungs­er­he­bung. Aller­dings gab es noch kein Ticke­ting System, sondern die ToDos wurden in einer Excel­liste erfasst, die abge­ar­bei­tet wurde.

Bei einem ande­ren Kunden hatte der IT-Leiter beschlos­sen, den Siemens Groß­rech­ner durch ein PC-Netz­werk abzu­lö­sen. Man ahnt es: im Ergeb­nis stan­den die PCs an den Arbeitsplät­zen, aber die Mitar­bei­ten­den arbei­te­ten weiter an ihren Termi­nals.  Das ist mensch­lich, aber nicht ziel­füh­rend. Kurzer­hand entwen­dete man den Leuten ihre Tasta­tu­ren für die Termi­nals und nötigte sie damit an die neue Tech­nik heran. Das ist auch eine Möglich­keit (Brech­stange), und wir haben alle daraus gelernt.

CeBIT

In den 90ern fuhr die HEC als Auss­tel­ler zur CeBIT, entwe­der mit einem eige­nen Stand oder als Unter­aus­stel­ler­stand bei Micro­soft. Die dort präsen­tierte Soft­ware war im Ideal­fall so durch­dacht, dass jeder Kunden­wunsch sich dort wieder­fand. Waren die Erwar­tun­gen wider Erwar­ten anders oder lief etwas nicht rund, so wurde das in Bremen nach­jus­tiert und ein Mitar­bei­ter fuhr mit einer Diskette nach Hanno­ver. Das war güns­ti­ger, als die von der Hanno­ver Messe ange­bo­tene DFÜ-Modem­ver­bin­dung  zu buchen, die fast unbe­zahl­bar war. Mit dem Tele­fo­nie­ren am Stand war es auch so eine Sache, denn auch ein Tele­fon­an­schluss dort musste teuer bezahlt werden. Erst ab 1996 waren Handys so verbrei­tet, dass sie als gängi­ges Kommu­ni­ka­ti­ons­mit­tel einge­setzt werden konn­ten.

Fort­set­zung folgt

Zu den anderen Teilen

Teil 1: Wie alles begann

Teil 3: Entwick­lun­gen

Teil 4: Aben­teuer IT