HEC Blog: Technik & Methoden
Verfasst von Annekathrin Gut am 11. Mai 2020
Das Manifest für Agile Softwareentwicklung auf Plattdeutsch

„Wiespahl för gode Software“

In 86 Spra­chen ist es schon über­setzt, von Afri­caans bis Yoruba. Nun gibt es das Agile Mani­fest auch „op platt“. Chris­ti­anne Nölting und ihre Kolle­gen vom Länder­zen­trum für Nieder­deutsch haben den Text für die HEC ins Platt­deut­sche über­setzt. Bemer­kens­wert findet die Geschäfts­füh­re­rin die Initia­tive. Doch leicht war der Weg zum „Agi­len Mani­fest bi de Entwi­ckeln vun Reek­ner­pro­gram­men“ nicht. Hoch- und Nieder­deutsch funk­tio­nie­ren einfach anders.

Das Agile Mani­fest gilt seit rund zwan­zig Jahren als die ideelle Grund­lage für die moderne Soft­wa­re­ent­wick­lung. Anfang des Jahr­tau­sends setz­ten sich US-ameri­ka­ni­sche IT-Spezia­lis­ten für deut­lich flexiblere und schlan­kere Entwick­lungs­pro­zesse ein und verfass­ten dazu ein Leit­bild mit beson­de­ren Prin­zi­pien und Werten. Die program­ma­ti­sche Schrift traf auf ein begeis­ter­tes Echo in der Fach­welt. Seit­her verbrei­ten sich soge­nannte agile Metho­den in der Bran­che und weit darüber hinaus.  

 
Agiles Manifest auf Platt
Das Landesinstitut für Niederdeutsch hat das agile Manifest für die HEC ins Plattdeutsche übersetzt.

Die Mitar­bei­ter vom Länder­zen­trum für Nieder­deutsch lern­ten einige davon in einem Work­shop mit der HEC kennen. Doch wie würden sie selbst ihren Kunden, den jünge­ren und älte­ren Platt­schnackern, erklä­ren, was es mit einem Mani­fest für die agile Soft­wa­re­ent­wick­lung auf sich hat?

Die erste Hürde: Viele Begriffe und Wendun­gen des Agilen Mani­fes­tes gibt es im Nieder­deut­schen nicht. Für sie musste eine Umschrei­bung gefun­den werden. „Man muss begrei­fen, was der Autor sagen will und dann gibt man es mit einfa­chen Worten wieder“, erklärt Chris­ti­anne Nölting, die bereits als Kind Platt­deutsch gelernt hat. „So simpel ist das.“

Ganz so simpel war es dann aber doch nicht. „Auf Hoch­deutsch klin­gen die Sachen schon sehr abge­ho­ben“, findet Chris­ti­anne Nölting. Doch um Verständ­lich­keit zu schaf­fen, sei das Platt­deut­sche bestens geeig­net. „Das Schöne am Nieder­deut­schen ist ja, dass es eine sehr direkte Spra­che ist.“ Da sagt eben keiner: „Herr Meier, Ihre Ideen sind für uns schwer nach­voll­zieh­bar.“ Sondern es heißt klipp und klar: „Hein, du spinnst!“

„Geiht nich, dörv nich! Blots wenn de Reeknerprogrammen funktioneeren dot, geiht dat ok vöran.“

Mit Blick auf die Leser wurden beim Agilen Mani­fest aus Wendun­gen wie „Funk­tio­nie­rende Soft­ware ist das wich­tigste Fort­schritts­maß“ klare Aussa­gen: „Geiht nich, dörv nich! Blots wenn de Reek­ner­pro­gram­men funk­tio­nee­ren dot, geiht dat ok vöran.“ (Geht nicht, gibt’s nicht! Nur wenn die Soft­ware funk­tio­niert, geht es auch voran.) Als Sprach­wis­sen­schaft­le­rin würde Chris­ti­anne Nölting am liebs­ten eine noch präzi­sere Über­set­zung für das Agile Mani­fest finden und dazu die engli­sche Origi­nal­fas­sung mit den weite­ren Über­set­zun­gen ins Däni­sche und Schwe­di­sche verglei­chen.

Nieder­deutsch wird übri­gens in acht Bundes­län­dern gespro­chen. Der platt­deut­sche „Wie­spahl för gode Soft­ware“ (Wegwei­ser für gute Soft­ware) wird nun auch dort besser verstan­den. Das sei ein Pfund, mit dem die HEC wuchern könne. „Kaum eine Orga­ni­sa­tion macht sich die Mühe, die Leute so gleich­be­rech­tigt über ihre eigene Spra­che einzu­bin­den“, findet Chris­ti­anne Nölting. „Und auch noch mit solchen komple­xen Themen wie Ihren.“

Die nieder­deut­sche Version könnte also auch bei manchem Hoch­deutsch­spre­chen­den für Aha-Effekte sorgen. Diese Wirkung hat Nölting schon bei ihrer vorhe­ri­gen Wirkungs­stätte, den NDR Platt­nach­rich­ten, beob­ach­tet. Viele Hörer erzähl­ten der Redak­teu­rin damals: „Wir sind eigent­lich gar keine Platt­schnacker. Aber wir hören uns jeden Tag Ihre Sendung an und verste­hen dann noch besser, was wirk­lich in der Welt los ist.“